Wenn schon Kapitalismus, dann bitte auch “Gute Arbeit”.
Für uns JungsozialistInnen ist das Thema Arbeit zentral. Körperliche und geistige Arbeit ist in einem marktwirtschaftlich-kapitalistischen System die entscheidende Möglichkeit, an der Gesellschaft und an gemeinschaftlichem Reichtum teilzuhaben. Arbeit und vor allem Ausbildung ist in diesem Sinne wichtig für die Emanzipation des Menschen. Die soziale Identifikation findet heute immer noch über die berufliche Tätigkeit statt und sie ist wesentlicher Bestandteil gesellschaftlicher Integration. Wenn wir schon im Kapitalismus leben müssen, wollen wir auch hier eine Gesellschaft, in der jede und jeder selbstbestimmt leben und arbeiten, sich persönlich entfalten und ihre bzw. seine individuellen Fähigkeiten vollständig entwickeln kann. Deshalb setzen wir uns für Arbeit und Ausbildung zu guten Bedingungen und sichere Beschäftigung mit individuellen Entwicklungsperspektiven ein.
Gerechte Entlohnung von Beschäftigten ‒ Gleiches Geld für gleiche Arbeit.
Solange die Menschen in diesem System leben und arbeiten müssen, fordern wir für jede und jeden, dass es grundsätzlich Arbeit sein muss, von der man leben kann, aber eben auch, dass man menschenwürdig leben kann, wenn man keine Arbeit hat. Wir wollen die schlimmsten Bedingungen beseitigt sehen. Wir schließen uns der gewerkschaftlichen Forderung an: Wir brauchen den gesetzlichen Mindestlohn von 8,50 €. Der Mindestlohn ist vollkommen im Sinne der unbedingt notwendigen Eindämmung der prekären Beschäftigung in Leiharbeit, in Werkvertragsformen und im Niedriglohnsektor. Es bedarf des Weiteren einer wesentlichen Korrektur der gesetzlichen Rahmenbedingungen in der Zeitarbeit, um humanere Arbeitsbedingungen durchzusetzen. Denn die Flexibilisierung, die betriebswirtschaftlich sinnvoll erscheinen mag, bedingt die Schaffung von Unsicherheiten auf Seiten der Beschäftigten. Belegschaften werden gespalten und LeiharbeitnehmerInnen empfinden sich vielfach als ArbeitnehmerInnen zweiter Klasse. Die ursprüngliche Hoffnung, dass sich so genannte Klebeeffekte einstellen, d. h. das einige LeiharbeitnehmerInnen im Anschluss eine Anstellung als Stammbeschäftigte im Entleihbetrieb erhalten, hat sich im großen Maße nicht erfüllt. Die Entlohnung von Praktika muss sich ebenfalls am Mindestlohn orientieren.
Was für den Niedriglohnsektor und prekäre Beschäftigung gilt, hat ebenfalls Bestand in anderen Bereichen. So bekommen Frauen faktisch noch immer nicht die gleiche Bezahlung wie ihre männlichen Kollegen in gleicher Position und bei gleichen Arbeitsanforderungen. Darüber hinaus sind Frauen und BürgerInnen mit familiärem Migrationshintergrund verstärkt von prekären Arbeitsbedingungen betroffen. Wir fordern gleiches Geld für gleiche Arbeit ― unabhängig von Geschlecht, ethnischer und kultureller Zugehörigkeit und sozialer Herkunft.
Frauen müssen generell in Wirtschaft, Verwaltung und Wissenschaft mehr Leitungspositionen erhalten. Um dies zu erreichen, müssen mehr Kinderbetreuungsangebote eingerichtet werden und Möglichkeiten müssen geschaffen werden, um Beruf und Elternschaft sinnvoll miteinander zu verbinden, sowohl für Frauen als auch für Männer. Nur wenn die Betreuung der Kinder gewährleistet ist, können beide Elternteile ihren Beruf ausüben. Krippe, Kindergarten, Hort und Schule müssen dies gewährleisten. Der Ausbau von guten und bezahlbaren Betreuungsangeboten ist deshalb unentbehrlich – auch während der Schulferien. Sowohl der Rechtsanspruch auf einen Ganztagskindergartenplatz als auch die Betreuungsangebote für unter Dreijährige müssen ausgeweitet werden. Es sind aber nicht nur die Kinder, um die sich heutzutage immer noch vor allem Frauen kümmern; auch die Pflege von bedürftigen Angehörigen erledigen meistens Frauen. Deshalb ist es wichtig, die Vereinbarkeit von Beruf und Pflege zu fördern. Flexible Arbeitszeiten und die Möglichkeit von kurzzeitigen Erwerbsunterbrechungen müssen in diesem Zusammenhang gewährleistet werden.
Auf dem Arbeitsmarkt haben Frauen nicht die gleichen Chancen wie Männer. Die Erwerbsbeteiligung von Frauen ist geringer als die der Männer und Frauen bilden einen großen Teil der Teilzeitbeschäftigten und den größten Teil der ArbeitnehmerInnen im Niedriglohnbereich. Frauen stoßen oft auf Barrieren, wenn es um den Zugang und die Teilnahme an beruflicher Ausbildung und Weiterbildung, berufliche Aufstiegschancen und um existenzsichernde Beschäftigung geht. Frauen verdienen nur 78 % der durchschnittlichen Männergehälter und sind überdurchschnittlich häufig teilzeitbeschäftigt, obwohl 56,3 % aller Abiturienten junge Frauen sind und sie 52,2 % der erfolgreich abgelegten Diplomprüfungen stellen.
Die soziale Sicherung von Frauen ist dementsprechend schlechter. Es ist vor allem die ungleiche Arbeitsteilung zwischen Frauen und Männern, die hierzu führt. Hausarbeit, die nicht bezahlt wird, wird meistens von Frauen ausgeübt, während entlohnte Erwerbsarbeit überwiegend von Männern ausgeführt wird. Diese ungleiche Arbeitsteilung wird durch gesellschaftliche Rahmenbedingungen begünstigt. Die gleichberechtigte Teilhabe von Frau und Mann am Erwerbsleben, in der Familie und der Gesellschaft muss verwirklicht werden. Die Bremer Landesregierung muss ihre Gestaltungsmöglichkeiten auf Landes- und Bundesebene nutzen um ungleicher Arbeitsteilung und Rollenzuweisung entgegenzuwirken. Nur dadurch können auf dem Arbeitsmarkt beide Geschlechter gleichberechtigt auftreten. Fördermittel und Fördermaßnahmen müssen dafür genutzt werden, dass Frauen in den Arbeitsmarkt integriert werden. Diese Probleme können nicht allein auf Landesebene angegangen werden. Die Bremer Landesregierung hat aber die Möglichkeit, sich auf Bundesebene dafür einzusetzen, dass steuer- und sozialrechtliche Regelungen, die der Erwerbstätigkeit von Frauen entgegenstehen, abgebaut werden.
Gute Ausbildung in einer humanen Wirtschaft.
Die soziale Herkunft ist nach wie vor maßgebender Faktor bei der Erlangung von Bildungsabschlüssen und damit ein bestimmendes Element für den Berufseinstieg. Wir wollen Chancengleichheit für alle und damit die Möglichkeit für jeden, entsprechend der individuellen Fähigkeiten, unabhängig von persönlichem oder familiärem Besitz in die gleichen Positionen im Arbeitsleben zu kommen. Ausbildung von jungen Menschen muss vor allem eine Ausbildung ihrer Fähigkeiten sein und darf nicht auf eine rein ökonomische Verwertung von Bildungs- und Berufsabschlüssen hinauslaufen. Noch immer gibt es zu wenig Ausbildungsplätze!
Arbeitgeber und deren Ausbildungsstätten müssen gesellschaftliches Engagement zeigen und Weiterbildungs- und Qualifikationsmöglichkeiten bereitstellen und sind aufgefordert, ein Konzept einer Mindestausbildungsvergütung zu erstellen und einzuführen. So genannte „Schmalspurausbildungen“ müssen verhindert werden. Eine breit angelegte berufliche Kompetenz zeigt ihre Stärken gerade bei betrieblichen Umstrukturierungen aufgrund von veränderten Rahmenbedingungen. Dabei sind auch die Berufsschulen von entscheidender Bedeutung, da sie einen wesentlichen Einfluss auf die Qualität der beruflichen Bildung haben. Aktuell werden Berufsschulen jedoch der geforderten Qualität nicht gerecht. Ihre Stellung innerhalb der schulischen Bildungslandschaft ist eine nachrangige und wenig im Fokus und das muss sich ändern!
Wir fordern daher, die politischen Möglichkeiten bremischer Politik zu nutzen, um als beispielhafter Standort für „Gute Arbeit“ bundesweit voranzugehen. Viele arbeitsspezifische Themen können nur bundespolitisch umgesetzt werden, aber wir wollen ausgehend von lokaler Bremer Politik auch die Bundespolitik beeinflussen.


